Ugur Sahin verlässt BioNTech: Was hinter dem Abgang des mRNA-Pioniers steckt
Eilmeldung: BioNTech-Gruender kuendigen Abgang an — neues mRNA-Unternehmen geplant
Wissenschaft & Biotechnologie

Ugur Sahin verlässt BioNTech: Der Abgang des mRNA-Pioniers und was als Nächstes kommt

BioNTech-Mitgründer Prof. Ugur Sahin und seine Frau Özlem Türeci geben ihre Führungsrollen auf, um ein neues unabhängiges Biotechnologieunternehmen zu gründen. Ein historischer Einschnitt für das Mainzer Unternehmen, das die Welt mit seinem COVID-19-Impfstoff veränderte.

Lesedauer: ca. 7 Minuten Von Robert XpressInfo
2026
Abgang geplant
€17,2 Mrd.
BioNTech Kassenbestand
500+
Sahins Patente
11 Mon.
COVID-Impfstoff Entwicklung
15
Phase-3-Studien (Onkologie)

Ein Paukenschlag aus Mainz

Es ist eine Nachricht, die die Welt der Biotechnologie erschüttert: Prof. Dr. Ugur Sahin und seine Frau Prof. Dr. Özlem Türeci werden BioNTech bis Ende 2026 verlassen. Das gab das Mainzer Unternehmen in einer offiziellen Mitteilung bekannt. Die beiden Mitgründer, die BioNTech zu einem der bekanntesten Biotechnologieunternehmen der Welt gemacht haben, wollen ein neues, eigenständiges Unternehmen aufbauen, das sich auf mRNA-Innovationen der nächsten Generation konzentriert.

Der Schritt kommt für viele Beobachter überraschend, gleichzeitig aber auch zu einem Zeitpunkt, an dem BioNTech finanziell stark aufgestellt ist. Das Unternehmen verfügt über Barreserven und Wertpapierinvestitionen von rund 17,2 Milliarden Euro. Reuters berichtete, dass der BioNTech-Kurs unmittelbar nach der Ankündigung deutlich nachgab, was die Nervosität der Märkte widerspiegelt.

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Wer ist Ugur Sahin? Ein Leben für die Wissenschaft

Um zu verstehen, warum dieser Abgang so bedeutsam ist, muss man den Werdegang von Ugur Sahin kennen. Geboren wurde er in der Türkei, im Alter von vier Jahren zog er mit seiner Familie nach Köln, wo sein Vater in den Ford-Werken arbeitete. Als erstes türkischstämmiges Gastarbeiterkind legte er sein Abitur an einem Kölner Gymnasium als Jahrgangsbester ab, ein Erfolg, den er selbst als wegweisend beschreibt.

Sein Medizinstudium absolvierte er an der Universität zu Köln, wo er bereits früh seinen Schwerpunkt auf Krebsimmuntherapie legte. Seine Dissertation, bewertet mit summa cum laude, ebnete den Weg für eine außergewöhnliche akademische Karriere. Heute ist Sahin Professor für Translationale Onkologie und Immunologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und betreute dort über 50 Doktorandinnen und Doktoranden.

Hintergrund Ugur Sahin gilt als einer der Pioniere der mRNA-Technologie. Er ist an mehr als 500 angemeldeten Patenten beteiligt und wurde von der renommierten Fachzeitschrift Nature Biotechnology mehrfach unter die 20 wichtigsten translationalen Forscher weltweit aufgenommen.

Ganymed und BioNTech: Zwei Unternehmensgründungen

Schon vor BioNTech bewies Sahin seinen unternehmerischen Instinkt: Gemeinsam mit Özlem Türeci und Prof. Christoph Huber gründete er 2001 Ganymed Pharmaceuticals, das 2016 für einen dreistelligen Millionenbetrag an Astellas Pharma verkauft wurde. Drei Jahre später folgte 2008 die Gründung von BioNTech in Mainz, mit dem klaren Ziel, mRNA-Technologie zur Bekämpfung von Krebs und Infektionskrankheiten einzusetzen.

Der Aufstieg von BioNTech: Eine Zeitlinie

2001
Gründung von Ganymed Pharmaceuticals durch Sahin, Türeci und Huber in Mainz. Fokus auf Krebsantikörper.
2008
Gründung von BioNTech mit finanzieller Unterstützung des Strüngmann Family Office. Ziel: personalisierte mRNA-Krebstherapien.
2016
Verkauf von Ganymed Pharmaceuticals für einen dreistelligen Millionenbetrag an Astellas Pharma.
2019
BioNTech-Börsengang an der NASDAQ mit einem Erlös von 130 Millionen Euro. Start der weltweiten Expansion.
2020
"Projekt Lightspeed": BioNTech entwickelt in nur elf Monaten den weltweit ersten zugelassenen mRNA-Impfstoff gegen COVID-19, in Partnerschaft mit Pfizer.
2021
Sahin erhält das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Comirnaty wird weltweit verimpft.
2026
Ankündigung: Sahin und Türeci gründen neues, unabhängiges mRNA-Unternehmen. BioNTech-Abgang bis Ende des Jahres geplant.
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Projekt Lightspeed: Die Mission, die alles veränderte

Als die Nachricht über ein neues Coronavirus im Januar 2020 die Wissenschaftswelt erreichte, erkannte Sahin sofort das Potenzial für ein mRNA-basiertes Gegenmittel. Binnen kürzester Zeit skizzierte er die Baupläne für acht verschiedene Impfstoffkandidaten. Was folgte, war "Projekt Lightspeed", die wohl bemerkenswerteste Entwicklungsleistung in der Geschichte der modernen Medizin.

"2025 war ein Jahr starker Ausführung und Pipeline-Dynamik. Wir haben unsere Onkologie-Pipeline vorangebracht, indem wir mehrere Programme in die Spätphasenentwicklung gebracht haben." Prof. Ugur Sahin, CEO BioNTech

In weniger als einem Jahr führte BioNTech den Impfstoff BNT162b2, später als Comirnaty bekannt, von der Laborforschung bis zur Notfallzulassung. Eine Leistung, die bis dahin als unmöglich galt: Kein mRNA-Medikament war zuvor zur allgemeinen Anwendung freigegeben worden. Die strategische Partnerschaft mit dem US-Pharmariesen Pfizer war dabei entscheidend, um globale klinische Studien und die weltweite Produktion zu stemmen.

Der Erfolg katapultierte BioNTech in eine neue Liga. Das Unternehmen wurde über Nacht weltberühmt, und Sahin landete auf dem Cover des TIME Magazine als Person des Jahres 2020. Wichtiger noch: Die COVID-Erlöse finanzierten die eigentliche Kernmission, die Krebsforschung, die Sahin seit Jahrzehnten verfolgt.

Das neue Unternehmen: Was wir bisher wissen

Das neue Unternehmen, das Sahin und Türeci aufbauen werden, trägt noch keinen Namen. Es soll sich auf die Entwicklung von mRNA-Innovationen der nächsten Generation konzentrieren, mit eigenständigen Ressourcen, eigenem Betrieb und eigenen Finanzierungsmöglichkeiten. BioNTech plant, dem neuen Unternehmen mRNA-Rechte und entsprechende Technologien zu übertragen, im Gegenzug für eine Minderheitsbeteiligung.

Marktreaktion Die Ankündigung des Gründerabgangs sorgte an den Finanzmärkten für erhebliche Unsicherheit. Die BioNTech-Aktie verlor nach der Bekanntgabe deutlich an Wert, was die zentrale Bedeutung von Sahin und Türeci für das Anlegervertrauen unterstreicht.

Ein verbindlicher Vertrag zwischen BioNTech und dem neuen Unternehmen wird bis Mitte 2026 erwartet. BioNTech gibt an, dass alle laufenden klinischen Studien und die zuvor angekündigten Meilensteine von diesem Plan unberührt bleiben. Das Unternehmen erwartet bis Ende 2026 insgesamt 15 laufende Phase-3-Studien in der Onkologie, darunter sechs wichtige Datenpräsentationen in der Spätstadiumentwicklung.

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BioNTech 2025 im Überblick: Finanzdaten

Kennzahl Wert 2025 Ausblick 2026
Gesamtumsatz 2,9 Mrd. Euro 2,0 bis 2,3 Mrd. Euro
Nettoverlust 1,1 Mrd. Euro k.A.
Angepasster Nettoverlust 0,1 Mrd. Euro k.A.
Kassenbestand und Investitionen 17,2 Mrd. Euro stabil
Phase-3-Studien (Onkologie) in Vorbereitung 15 geplant bis Ende 2026

mRNA gegen Krebs: Sahins eigentliche Mission

Lange vor der Pandemie war das eigentliche Ziel von Ugur Sahin klar definiert: personalisierte Krebstherapien auf Basis der mRNA-Technologie. Sahin und sein Team entwickelten Methoden für den Transport von mRNA zu dendritischen Zellen, verbesserten die Stabilität der Botenmoleküle und steigerten die Effizienz der Proteinproduktion um das Tausendfache.

Die Idee dahinter ist revolutionär: Jeder Tumor ist einzigartig. Statt alle Krebspatienten mit denselben Wirkstoffen zu behandeln, sollen mRNA-Impfstoffe maßgeschneidert auf das individuelle Mutationsprofil jedes Patienten angepasst werden. Das Immunsystem lernt dadurch, die spezifischen Krebszellen eines bestimmten Patienten zu erkennen und zu bekämpfen. Die BBC berichtete ausführlich über die klinischen Fortschritte in diesem Bereich.

BioNTech setzt diese Vision nun ohne Sahin fort, mit 15 geplanten Phase-3-Studien in der Onkologie bis Ende 2026. Das neue Unternehmen von Sahin wird parallel daran arbeiten, die nächste Welle von mRNA-Innovationen zu entwickeln, die möglicherweise noch wirksamere und breiter einsetzbare Therapien ermöglichen könnte.

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Häufige Fragen zu Ugur Sahin und BioNTech

Ugur Sahin und Özlem Türeci verlassen BioNTech, um ein neues unabhängiges Biotechnologieunternehmen zu gründen, das sich auf die Entwicklung von mRNA-Innovationen der nächsten Generation konzentriert. Sahin erklärte, dies sei der richtige Moment, um den Staffelstab weiterzugeben, da BioNTech nun sehr gut aufgestellt sei und eine starke Onkologie-Pipeline besitze.
Das neue Unternehmen von Ugur Sahin und Özlem Türeci ist ein noch unbenanntes unabhängiges Biotechnologieunternehmen. Es soll mRNA-Technologien der nächsten Generation entwickeln. BioNTech wird mRNA-Rechte und Technologien im Austausch für eine Minderheitsbeteiligung einbringen. Ein verbindlicher Vertrag wird bis Mitte 2026 erwartet.
Ugur Sahin und Özlem Türeci werden BioNTech bis Ende 2026 verlassen, wenn ihre aktuellen Dienstleistungsverträge enden. Der Aufsichtsrat hat bereits eine Nachfolgesuche eingeleitet, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen.
BioNTech wird seinen strategischen Fokus auf die weit fortgeschrittene Onkologie-Pipeline schärfen, einschließlich Immunmodulatoren, Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten und mRNA-Kandidaten. Das Unternehmen erwartet bis Ende 2026 15 laufende Phase-3-Studien in der Onkologie und mehrere wichtige Ergebnispräsentationen.
Prof. Dr. Ugur Sahin ist ein deutsch-türkischer Arzt, Immunologe und Unternehmer, geboren 1965 in der Türkei. Er gründete 2008 gemeinsam mit seiner Frau Özlem Türeci und Prof. Christoph Huber das Biotechnologieunternehmen BioNTech in Mainz. Er leitete das "Projekt Lightspeed" und koordinierte die Entwicklung des ersten mRNA-Impfstoffs gegen COVID-19 in nur elf Monaten, der Millionen Menschenleben rettete.
mRNA (Messenger-Ribonukleinsäure) ist ein Botenstoff, der genetische Informationen aus dem Zellkern zu den Ribosomen transportiert, wo Proteine hergestellt werden. BioNTech und Sahin nutzten diese Technologie, um dem Körper Anweisungen zu geben, spezifische Proteine zu produzieren, die das Immunsystem aktivieren. Diese Technologie hat enormes Potenzial für personalisierte Krebstherapien und Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten.

Was kommt als Nächstes?

Die kommenden Monate werden zeigen, wie der Markt auf den bevorstehenden Führungswechsel bei BioNTech reagiert. Für das Unternehmen selbst ist 2026 ein entscheidendes Jahr: Mehrere wichtige klinische Ergebnisse in der Onkologie werden erwartet, die zeigen sollen, ob BioNTech auch ohne seine Gründer als eigenständige Kraft in der Krebsforschung bestehen kann.

Für Ugur Sahin beginnt eine neue Ära. Der Wissenschaftler, der als Sohn eines Gastarbeiters nach Deutschland kam und eines der bedeutendsten Biotechnologieunternehmen der Welt aufbaute, will offenbar noch nicht mit dem Forschen aufhören. Sein neues Unternehmen könnte die nächste Welle medizinischer Innovationen auf Basis von mRNA einläuten, mit dem langfristigen Ziel, Krebs noch wirksamer zu bekämpfen. Ob ihm ein zweites "Lightspeed"-Projekt gelingt, bleibt abzuwarten. Die Voraussetzungen, zumindest was Wissensstand, Erfahrung und Entschlossenheit betrifft, bringt er mit.

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